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Friedrich Rückert wäre wahrscheinlich begeistert gewesen. Samsara, Erato, Daphnis und Chloe in Ebern vereint. Orient und Okzident in der Karl-Hoch-Anlage, verkörpert in Plastiken von Werner Eichler.

Rechtzeitig zum Mittelaltermarkt 2017 wurden als neue kulturelle Bereicherung des Eberner Anlagenrings insgesamt vier Metallskulpturen des Eberner Künstlers Werner Eichler installiert, die dieser an Bürgermeister Jürgen Hennemann als Dauerleihgabe für die Stadt übergeben hat.

Die beiden Männer kennen sich schon länger. Werner Eichler wurde 1938 in Brandenburg an der Havel geboren. Er musste mit seiner Familie im Jahre 1956 aus der damaligen DDR fliehen und landete in Ebern, wo er sich 1961 mit Irmgard Schmitt verheiratete. Beruflich war Werner Eichler lange Jahre bei der jetzigen Firma FTE als Ausbilder im Metallbereich tätig - einer seiner ehemaligen Auszubildenden leitet heute als Erster Bürgermeister die Geschicke der Stadt.

Metall ist auch das Material seiner Skulpturen. Geht man am Herrgottswinkel vorbei hinab in die Karl-Hoch-Anlage fallen die drei Figuren sofort ins Auge. Hunderte von Nägeln, Durchmesser 3,1 mm, Länge 80 mm, wurden kunstvoll zu kugeligen Elementen verschweißt, fast durchsichtig, erinnernd an Elektronenbahnen oder an den Bauplan unseres Gehirns mit Synapsen und Nervenbahnen. Zusammengehalten werden die Kugeln von kräftigen Blechstrukturen, insgesamt ein Bild von Rundungen, ohne Ecken oder Kanten. Sprödes, hartes Material zum Leben zu erwecken, figürlich werden zu lassen, war das Bestreben des Künstlers. Dabei ging es nicht darum, Menschen darzustellen, eher abstrakte Ideen leiteten die Hand des Künstlers.

 Wenig verwunderlich deshalb auch, dass es offiziell keine Namen für die drei Plastiken gibt. Die zweikugelige, in blaugetöntem Rahmen, ist inspiriert von Samsara, der buddhistischen Vorstellung vom ewigen Kreislauf des Werdens und Vergehens, die beiden dreikugeligen in Silbergrau verkörpern vielleicht Erato, die griechische Muse der Liebesdichtung, oder einfach nur Verwandlung in verschiedenen Varianten - das alles liegt im Auge des Betrachters.

 Ganz unterschiedlich dazu die andere Skulptur, genauer die beiden anderen, die zusammen die Idee von Zuneigung und Liebe darstellen. Zwei roh geschweißte, schlanke Figuren mit kräftig-klotzigen Händen und Füßen, in Bewegung zueinander, unbehandelt und vor Rost und anderen Spuren der Zeit nicht geschützt, stehen sie unweit des Rückertdenkmals. Sie erinnern an Daphnis und Chloe, er vielleicht 15 Jahre alt, sie 13, Hauptfiguren in einem griechischen Schäferroman aus der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts. Der Verfasser Longos schildert die Liebesgeschichte zweier Findelkinder, die durch viele Irrungen und Wirrungen hindurch zueinander finden, die Liebe erlernen und ein glückliches Paar werden. Goethe hat diesen Roman geliebt, Ravel ein Ballett daraus gemacht, Werner Eichler hat ihnen Figur und Aussehen gegeben, leicht skurril, etwas abstrakt, offen für die Phantasie derer, die auf einem Spaziergang durch die Rückert-Anlage einige Augenblicke verweilen.

Bürgermeister Hennemann hat die "Dauerleihgabe" Werner Eichlers sehr gerne entgegengenommen. Für ihn ist sie ein weiterer Schritt zu einem künftigen Kulturspaziergang rund um Ebern. Eichlers Plastiken, Ponaders Schnitzereien, und so weiter und so fort - Jürgen Hennemann lädt heimische Künstler ein, sich mit Werken jeglicher Art einzubringen, im Anlagenring weitere Hingucker zu setzen und ihn Schritt für Schritt zu einem Gesamtkunstwerk werden zu lassen, in dem von Menschenhand Geschaffenes und die Natur eine attraktive Symbiose eingehen werden.

Text & Bilder: Rudi Hein

 

 

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